Hart, aber ehrlich…

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Foto: Philipp Maisel
Nach der heutigen Mitgliederversammlung sah ich mich mal wieder gezwungen, eine Mail an den Präsidenten des VfB, Wolfgang Dietrich, zu verfassen, die ich hier veröffentlichen möchte:

„Sehr geehrter Herr Dietrich,
nach Ihrer Wahl haben Sie versprochen, „Präsident aller“ sein zu wollen. Dazu gehören selbstverständlich die Menschen, die Ihre Vorstellungen/Ihre Vision bezüglich der Zukunft des VfB teilen. Schwieriger dürfte es sein, dieses Versprechen gegenüber jenen Personen einzuhalten, die nicht immer Ihrer Meinung sind.
Nach der außerordentlichen Mitgliederversammlung vor einigen Wochen schrieben Sie an die Mitglieder die folgenden Worte:
Ich möchte mich heute noch einmal an diejenigen wenden, die anderer Meinung waren. Seien Sie sich sicher, dass ich Ihre Sorgen ernst nehme und als ehrenamtlicher Präsident des Vereins alles dafür tun werde, dass Sie – mit einem gewissen zeitlichen Abstand – ebenfalls dankbar darüber sind, dass wir die Entscheidung gestern so getroffen haben. Und seien Sie sich auch sicher, dass das Präsidium des Vereins und der Vorstand der AG weiterhin gemeinsam ihrer Verantwortung gerecht werden, den VfB erfolgreich im Sinne seiner Mitglieder zu führen.
Die Stellen, die meiner Meinung nach im Konflikt zu Ihrem Verhalten stehen, habe ich fett gedruckt und möchte im Folgenden darauf eingehen – auch wenn Sie – wie letztes Mal auch – wohl nur müde über diese Mail lachen werden, falls Sie sie denn überhaupt jemals lesen sollten, denn im Normalfall haben Sie für Mails wie diese ja einen Mitarbeiter, der Ihre Meinung vertritt und die kritischen Mitglieder vertrösten soll. Ja, diese Nachricht ist vorwurfsvoll und bezieht sich einmal mehr auf Ihr Verhalten bei der heutigen Mitgliederversammlung.
Sie schreiben, dass Sie die Sorgen der Mitglieder, die der Meinung waren, nicht auszugliedern wäre die bessere Entscheidung, ernst nehmen wollen und versprechen, der Präsident aller sein zu wollen. Eine kurze Frage: Sind Sie wirklich der Meinung, dass Sie die Sorgen dieser Mitglieder ernst nehmen? Oder sind diese Mitglieder, die bereits zum dritten Mal verhindert haben, dass die Briefwahl verabschiedet wird, Ihnen doch vielleicht viel eher ein Dorn im Auge, weil sie Dinge ansprechen, die unangenehm sind? Sie könnten Sich der Kritik stellen und zugeben, dass nicht alles so einfach läuft, wie Sie immer gesagt haben. Sie könnten Fehler Ihrerseits im Umgang mit Jan Schindelmeiser eingestehen. Sie könnten auf kritische Fragen antworten anstatt beleidigend zu werden. Bei allem Respekt, Herr Dietrich, ich kann nicht erkennen, dass Sie die Sorgen jener ernst nehmen, die nicht Ihrer Meinung sind – im Gegenteil. Es kommt mir eher so vor, als hofften Sie insgeheim, dass diese Mitglieder ihren Platz räumen, damit in Zukunft keine unangenehmen Fragen mehr gestellt werden, mit denen Sie offensichtlich nicht umgehen können. Ein langjähriges Mitglied als „vereinsschadend“ zu bezeichnen und davon zu sprechen, es würde „Stuss reden“, weil es die Frage stellt, inwiefern ein Einsteigen der Quattrex AG beim VfB Stuttgart geplant sei, zeugt weder von Souveränität, noch von Ehrlichkeit. Denn wenn ein solches Engagement von Quattrex ausgeschlossen werden könnte, hätten Sie das ja einfach sagen können. So wirkt es, als wüssten Sie genau, wie kritisch eine solche – von Ihnen eventuell angestrebte – Bindung bei einigen Mitgliedern und Fans gesehen würde – weshalb Sie pauschal drauf hauen. Das, sehr geehrter Herr Dietrich, ist nicht das, was ich mir von einem Präsident „für alle [Mitglieder]“ vorstelle.
Sie dürften selbst merken, dass Sie offensichtlich nicht alles dafür tun, dass kritische Mitglieder dankbar über die Ausgliederung sind. Es entstehen teilweise abstruse Verschwörungstheorien und die Kritik an Ihrer Person wächst in einigen Kreisen. Selbstverständlich ist der Mitgliederzugewinn auf dem Papier ein Erfolg, den Sie für sich verzeichnen können. Aber auch ich würde vermutlich betrunken einen Bierdeckel unterzeichnen, um mir etwas gaaaanz tolles zu kaufen. Herr Dietrich, Sie scheinen mit Ihren Vorhaben bisher ganz gut „durch zu kommen“, aber: Hochmut kommt vor dem Fall. Sie sollten sich dringendst an Ihr Versprechen erinnern, Präsident für alle sein zu wollen, denn die kritischen Mitglieder werden sich von Ihnen nicht den Mund verbieten lassen. Menschen in Führungspositionen müssen mit Kritik umgehen können – selbst wenn diese von „ahnungslosen Vollidioten“ kommt. Grüße gehen hier raus an „Micha“.
Sie werden es bei der nächsten Mitgliederversammlung wieder versuchen, die Briefwahl durchzusetzen. Eventuell mit Trikotgeschenken oder besonders tollen Gewinnspielen ohne Nieten. Vielleicht gibt es ja ein Mitgliederversammlungssondertrikot des VfB, das an jeden Teilnehmenden geht, denn Sie brauchen möglichst viele Mitglieder, um die nötige Mehrheit zu erzielen.
Sehr geehrter Herr Dietrich,
ich bin – wie Christian Prechtl auch – kritisches, aber treues Vereinsmitglied. Solche Werte scheinen bei Ihnen keine Rolle mehr zu spielen. Das schockiert mich und macht mich fassungslos. Ihre Art und Weise mit Mitgliedern umzugehen, die nicht Ihrer Meinung sind, ist meiner Meinung nach absolut inakzeptabel. Da stellt sich dann durchaus die Frage, wer hier eigentlich derjenige ist, der dem Verein schadet.
Mit freundlichen Grüßen“

Zur Erklärung: Wolfgang Dietrich bezeichnete Christian Prechtl, VfB-Mitglied, heute unter anderem als vereinsschädigend: 

 

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4 Gedanken zu „Hart, aber ehrlich…

  1. Sehr geehrter Schreiber,
    ich bin seit Kindheit dem VfB verbunden / Stadiongänger / Mitglied und Dauerkarten Inhaber. Ich muss mal was zu dem Teil Neumitglieder sagen. Herrn Dietrich Beleidigung und Frechheit vorwerfen und selber im Text alle Neumitglieder als Besoffene Deppen hinstellen die alles unterschreiben würden und nicht zurechnungsfähig sind also bitte das ist doch sehr ich sag mal unsportlich der Mitglieder und Fans gegenüber. Ich bin auch nicht immer mit allem einverstanden und zufrieden aber ich würde NIE andere Mitglieder und schon gar nicht neu mitglieder so hinstellen. Desweiteren finde ich es eine Frechheit es so hinzustellen das alle nur wegen diesen Trikots bei der Versammlung waren und Käuflich sind. Auch wenn es schwer zu verstehen und zu ertragen ist es gibt auch viele Mitglieder die z.B das Trikot gespendet haben und so oder so gekommen währen. Das mal von mir als wie Sie sagen Käufliches Mitglied das wegen eines Trikot seine Stimme hergibt und bekannte Neumitglieder hat die nur Besoffene nicht zurechnungsfähige Menschen sind. Schönen Advent noch.

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    1. Hallo Herr Hambachner,
      ich muss hier etwas klarstellen. In keinster Weise wollte ich neue Mitglieder als „besoffene Deppen“ darstellen. Der Teil mit den Bierdeckeln sollte Kritik an der Art und Weise der Mitgliedergewinnung verkörpern. Es ist sogar völlig legitim, zu einer MV zu kommen, wenn man etwas geschenkt bekommt. Ich werfe keinem Fan vor, deshalb zur aoMV gegangen zu sein. Im Klartext: Ich möchte weder Mitglieder kritisieren, die für die Ausgliederung gestimmt haben, noch diejenigen kritisieren, die aufgrund vermeintlicher Vorteile in den Verein eintreten. Ich finde es wichtig, dass Mitglieder unterschiedliche Meinungen haben und sich dies in einem Dialog/einer Diskussion widerspiegeln kann. Leider habe ich den Eindruck, dass der Vorstand um Wolfgang Dietrich an solche einem Austausch nicht wirklich interessiert ist – darauf zielt meine Kritik ab.
      Eine besinnliche Adventszeit wünscht

      Trashkob

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  2. Hallo „Blutgrätsche“; du hast in deinem Brief alles treffend beschrieben und ich kann Dir nur zu stimmen. Auch ich bin der Meinung, dass Herr Dietrich, die kritischen Fans am liebsten die Mitgliedschaft kündigen möchte, wenn er könnte. Auch meine ich, alle Versprechungen von ihm, sind nur Augenwischerei den Fans/Mitgliedern gegenüber, dass sie auch immer brav „ihr Kreuzchen“ an der Richtgen Stelle machen!!!!!!
    Auch wir sind treue VfB Fans und auch schon lange Mitglieder ; obwohl wir weit weg wohnen.
    In einem Punkt muss ich Dir aber widersprechen, ich wäre auch dafür, dass die Briefwahl bei der MV eingeführt würde. Denn gerade für Auswärtige Mitglieder, ist die Mitgledversammlung mit sehr hohe Kosten (bis zu 100 Euro und mehr für 2 Personen) und Zeitaufwand (24 Std und mehr) verbunden.
    Um es jetzt auch mal „klar zustellen“ , trotz Trikot und Würstchen/Getränk war ich gegen die Ausgliederung und habe meine Meinung darüber nicht geändert.

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    1. Danke für die Rückmeldung. Ich sehe die Briefwahl deshalb kritisch, weil es dem VfB evtl. ermöglicht, in Zukunft Dinge undiskutiert zur Abstimmung bringen zu können. Natürlich verstehe ich aber auch Ihre Beweggründe, für eine Briefwahl zu stimmen.

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