Das vertraute Gefühl am Wochenende

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Bild: Die Welt

Es ist zurück. Dieses Gefühl. Ein Jahr hatte ich Pause davon, aber nun ist es zurück. Und ich bin nicht einmal überrascht, denn es kam nicht plötzlich. Nein, das Gefühl hat sich angemeldet. Und nun ist es da – und ich soll schauen wie ich damit zurecht komme. Ich spreche von meinem Gefühl nach einem Spiel in der ersten Bundesliga, das mein Verein, der VfB Stuttgart, verlieren kann, aber niemals verlieren muss. Ein Spiel, das man sogar verlieren darf, aber ein Spiel, das man auf diese Weise auf keinen Fall verlieren sollte. Ratlosigkeit, Trauer, Enttäuschung, Ungeduld und ganz viel „Kann man eigentlich so dumm sein?“. Das zeichnet mein Gefühl aus. Das und die Hoffnung auf das nächste Wochenende – vielleicht gewinnen wir ja dann. So fühlt sich die Rückkehr in die Bundesliga also an – wie der Montagmorgen eines Praktikanten am ersten Arbeitstag.

Ein Praktikant, der nach drei Minuten zwar die Arbeitsblätter vor dem auslaufenden Kaffee schützt, dabei aber sich und einigen seiner Kollegen eine Dusche verpasst. Hätte er mal lieber den Kaffee getrunken, als ihn auszuschütten. Aber immer noch besser, als der andere Praktikant, der unmittelbar danach die ganze Kaffeemaschine abräumt. Die Rede ist von Josip Brekalo und Orel Mangala. Brekalo, der uns schon so viel Spaß bereitet hat, traf gestern in der Defensive Entscheidungen, die jeden D-Jugend-Trainer zur Verzweiflung gebracht hätten. Zugegeben, Defensivaufgaben sind nicht die höchste Priorität und Anforderung für Brekalo, aber manchmal muss man auch Aufgaben erledigen, die außerhalb des eigenen Zuständigkeitsbereichs liegen. Das wollte Brekalo auch tun. Die Umsetzung war allerdings fürchterlich. „Nicht in die Mitte“ schreit es Woche für Woche bei diversen Jugend- und Kreisligaspielen über die Sportplätze des Landes, wenn ein Spieler auf die Idee kommen sollte, einen Ball nicht nach außen sondern in Richtung des eigenen Strafraums zu klären. „Nicht in die Mitte“ hätte man eventuell auch Brekalo sagen sollen, der genau das tat. Der abgefälschte Ball landete beim Schalker Stürmer Harit und Mangala fehlt in dieser Situation einfach die Erfahrung, wenn er versucht, durchzuziehen, um den Ball zu treffen. Dabei erwischt er eben die Kaffeemaschine, die auf dem Boden in Einzelteile zerfällt. Blöd, dass die Küche videoüberwacht wird und relativ schnell klar wird, warum die Kaffeemaschine kaputt ist – obwohl Mangala davon erst mal nichts wissen will. 1:0 für Schalke nach 4 Minuten. Papa Ron-Robert, der Mangala nur fahren wollte, bekommt das mit und versucht auszubügeln, was auszubügeln ist, wirft die Maschine aber gleich noch einmal runter. Aber ist egal, war ja eh schon kaputt.

Danach verhalten sich die Praktikanten gar nicht übel. Sie möchten den Fehler wiedergutmachen, aber natürlich auch nicht zu übermütig agieren. Zuerst verpasst Pavard mit dem Kopf, dann Terodde mit dem Fuß. Wenig später macht Akolo nach Vorlage von Brekalo das 1:1. Die Schalker hatten sich schon zu sehr auf das Mensa-Essen in der Mittagspause mit anschließender Skat-Runde gefreut.

Aber der VfB wäre nicht der VfB, wenn man nach dem Mittagessen nicht auch ein Verdauungsschlaf benötigen würde – nur ganz kurz, aber das muss sein. Die Schalker haben die Erfahrung, um zu wissen, dass Kaffee mehr taugt, als ein Powernap – aber wieso soll man dieses Wissen mit diesen jugendlichen Praktikanten auch teilen? Ist ja deren Problem…

 

Und deshalb lässt Brekalo den Ball im Halbschlaf zu weit vom Fuß springen und zieht das Foul. Das 2:1 für Schalke fällt, weil man in Stuttgart noch nicht gelernt hat, dass man mit den Gegenspielern mitlaufen muss, um sie am Abschluss zu hindern. Kann man übrigens auch wöchentlich auf den Kreisligaplätzen beobachten. Was wir nicht wissen: Die Praktikanten hatten das Tor als gemeinsames Geburtstagsgeschenk für Naldo vorbereitet und gehofft, sie bekommen vom selbstgebackenen Kuchen ein Stück ab. Das sah Naldo aber anders. Unklar ist, ob er den Kuchen mit der Hand oder mit der Gabel gegessen hat. Die Hand war auf jeden Fall mit im Spiel. Blöd ist, wenn man dann überlegt, wie das 2:1 gefallen ist während man bereits das 3:1 fängt. Burgstaller, letztes Jahr zumindest für eine Saisonhälfte auch noch in Liga 2 aktiv, zeigt dem VfB, warum man sich in der ersten Bundesliga keine Nickerchen erlauben darf. Nach dem 3:1 war die Sache dann auch erledigt – die Spieler der VfB mühten sich zwar, aber Terodde wirkte unglücklich und auch Asano konnte keinen Zug zum Tor mehr herstellen. Allerdings machen die Auftritte von Adonis und Ascacibar nach ihren Auswechslungen Hoffnung für die kommenden Spiele.

Als Fazit bleibt: Der VfB hat sich nicht verändert. Ein Jahr zweite Liga hat nicht dazu geführt, den Schlendrian im Konzentriert-Sein abzulegen. Ich hatte vor dem Spiel keinen Sieg auf Schalke erwartet und ein Punkt wäre für mich eine Überraschung gewesen. Nach dem Spiel ist man dann aber unzufrieden, weil man weiß, dass so viel mehr drin gewesen wäre. Wie so oft. Und da ist es wieder. Das Gefühl. Diese Enttäuschung, wenn man nichts erwartet hat, aber genau weiß, dass so viel mehr drin gewesen wäre. Der VfB war nicht schlechter als Schalke. Er war einfach in drei Situationen im größten Tiefschlaf. Das liegt weder an fehlender Erfahrung, noch an mangelnder Klasse, sondern an der Konzentration. Bis zum Klassenerhalt ist es noch ein sehr langer Weg – am Samstag gegen Wolfsburg sind drei Punkte drin. Vorausgesetzt, der VfB ist 90 Minuten lang voll da. Ich bin guter Dinge – schließlich haben wir mit Spielen gegen ehemalige Spielmacher in dieser Saison schon gute Erfahrungen gemacht.

 

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